Rettungshundearbeit


Auch wenn wir keine Ausstellungserfolge einheimsen konnten und keine Siegerpokale mit nach Hause brachten, haben Gandalf und ich ein arbeitsreiches Jahr zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Aber, ich muß ein bisschen ausholen. Gandalf und ich machen Rettungshundearbeit beim Deutschen Roten Kreuz. Das ist eine ehrenamtliche und sehr zeitaufwändige Freizeitbeschäftigung. Da uns das "normale" Staffelleben nicht genug und Gandalf ein begeisterter Suchhund ist, sind wir seit einigen Jahren auch noch Mitglieder in einem speziellen Arbeitskreis, der sich alle vier Wochen für ein ganzes Wochenende trifft und dabei "Trümmersuche" trainiert.
Diese Gruppe, die direkt dem DRK-Landesverband Baden-Württemberg untersteht, wurde ursprünglich gegründet, um entsprechend gut ausgebildete Teams für Inlandseinsätze zur Verfügung stellen zu können (z.B. wie bei dem Eishallen-Einsturz in Bad Reichenhall oder dem Stadtarchiv in Köln). Zwischenzeitlich haben wir auch ein "Auslandsmandat", d.h. es kann passieren, daß wir auch bei einem Erdbeben im Ausland zur Hilfe gerufen werden. Um aber in Einsätze gehen zu können, muß (wie bei der Flächensuche auch) zuerst eine Prüfung absolviert werden, die dann auch alle 18 Monate wiederholt werden muß. So haben wir also nach einem trainingsintensiven Jahr Anfang November unsere Wiederholungsprüfung in der Flächensuche absolviert.
Begonnen wurde dabei wie immer mit einem Theorieteil, bei dem wir Hundeführer nachweisen müssen, daß wir z.B. mit in den Themen Sanitätsdienst, Funk und dem Umgang mit Karte und Kompass vertraut sind. Danach musste Gandalf zeigen, wie er eine gefundene Person "verweist" - er bellt an der Person, bis ich bei ihm bin. Als nächste Aufgabe war der Gehorsam an der Reihe. Dazu gehört neben der Arbeit am Fuß auch Führigkeit auf Distanz ebenso wie Abliegen außer Sicht des Hundeführers oder eine Trageübung, zu der ein Maulkorb vorgeschrieben ist. Nachdem diese Teile alle absolviert und bestanden waren, ging es für uns zur Suche in den Wald. Als Lage wurde ein privater Streit zwischen einem Paar angenommen, das anschließend verschwunden war. Da es außer den Beobachtungen eines Zeugen keine weiteren Informationen gab, konnte sehr schnell mit der Suche angefangen werden.

Der Wald (bei unseren Prüfungen ist immer ein unbekannter Wald gefordert) war voller interessanter Versteckmöglichkeiten. So fand Gandalf dann eine Person eingeklemmt unter einem umgestürzten Baum, die andere ortete er in einer Vertiefung mitten im Wald. Beide Personen mussten dann von mir santiätsdienstlich versorgt werden. Nachdem die Prüfer mit der Leistung von Gandalf und mir sehr zufrieden waren durften wir am Abend unsere Plakette wieder in Empfang nehmen und sind nun weiterhin für die DRK Rettungshundestaffel Heidenheim einsatzfähig. Zwei Wochen später kam dann die Trümmerprüfung an die Reihe. Nachdem es in ganz Süddeutschland kein Gelände entsprechend der Prüfungsordnung gab, mussten wir in die Schweiz ausweichen. In der Zivilschutzschule in Sempach stand uns ein Gelände zur Verfügung, das von außen sehr unscheinbar wirkte, das es aber in sich hatte. Aber auch an diesem Tag war erstmal ein Theorieteil gefragt, an dem diesmal zusätzlich noch Fragen aus dem Bereich Trümmerkunde und Einsatztaktik bei Trümmersuche mit dabei waren. Daran anschließend wurde der Gehorsam überprüft. Nachdem wir auch diesenl bestanden hatten ging es mit dem Bereich Geschicklichkeit weiter. Überqueren einer waagerecht liegenden Leiter, Kriechtunnel, Wippe und eine bewegliche Brücke mussten absolviert werden bevor wir dann zum letzen (und wichtigsten) Prüfungsteil antreten durften. Das Trümmerfeld wurde von den Prüfern zu einem zusammengestürzten Haus ernannt. Die Lagebeschreibung war sehr knapp: "eine unbekannte Anzahl von Personen wird noch im Haus vermutet. Aus Sicherheitsgründen darf nur der Hund das Gelände betreten." Um eine Lage nach einer Gasexplosion zu simulieren wurden Schwelfeuer entzündet und mit Motorsägen eine entsprechende Geräuschkulisse geschaffen. In dieses Szenario musste sich Gandalf nun ganz allein reinarbeiten und die gefundenen Personen durch Bellen verweisen. Er machte es sehr spannend. Die erste Person hatte er nach zwei Minuten geortet. Ein Junger Mann lag so zwischen Trümmerteilen, daß Gandalf nicht direkt Kontakt aufnehmen konnte, sondern aus Entfernung zielgerichtet in die Richtung bellte, in der der Vermisste lag. Ich durfte dann zu Gandalf und die Lage rund um die Person klären. Gandalf suchte dann im Schadensgebiet selbstständig weiter während ich wieder an den sicheren Rand gehen musste. Im Keller, den er auch durchsuchte, fand sich niemand, erst in einem weiteren Trümmerkegel hatte Gandalf wieder Erfolg. Unter ca. 1.5 Meter dickem Schutt zeigte er mir eine weitere Person mit Bellen und Kratzen an. Auch diese Person hatte keine weiteren Verletzungen, so daß wir zügig weitersuchen konnten. Da die reine Suchzeit bei einer Prüfung auf 30 Minuten begrenzt ist hatten wir nur noch wenig Zeit übrig, um den Rest der Schadenslage abzusuchen. Aber Gandalf entschied sich für das richtige Teilstück und konnte auch die dritte Person noch orten und anzeigen. Da uns dann die Prüfer zum Bestehen der Prüfung gratulierten, hatte sich bei dieser Person dann die Befragung und Versorgung erledigt. Wie schwer die gesamte Schadenslage war, konnten wir daran erkennen, daß am Ende des Tages nur vier Teams bestanden hatten. Einige bereits mehrfach geprüfte Teams konnten die Personen nicht finden. In diesem Sinn werden wir auch 2010 fleißig weiter trainieren und den einen oder anderen Realeinsatz in der Flächensuche bewältigen. Im Bereich Trümmersuche hoffe ich, daß wir nie gebraucht werden, wenn es aber so weit kommen sollte, möchten wir so gut wie möglich vorbereitet sein.